Tischtennis, Schnitt und Squishy Butter Wax

Unser Trainingswochenende – oder: Wie viel in ein Wochenende passen kann

Es gibt Wochenenden, an denen man Tischtennis trainiert. Und es gibt Wochenenden, an denen man Tischtennis trainiert, Staffelläufe veranstaltet, Schnittarten studiert, Jugendwörter lernt, Pommes akustisch analysiert, Getränke verschüttet, Getränkeuntersetzer zu architektonischen Großprojekten verarbeitet und nebenbei feststellt, dass Kinder manchmal erstaunlich gute Lehrer sein können.

Unser Wochenende gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie.

Volle Halle, volle Konzentration: Das Wochenende hatte eindeutig Tischtennis als Hauptprogramm.

Samstagmorgen: Alle wach. Manche deutlich zu früh.

Der Samstag begann zunächst einmal mit einer organisatorischen Erkenntnis: Wenn Frühstück um neun und Training um zehn ist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass Kinder nicht bereits um acht vollständig einsatzbereit sind.

Ein Teil der Mannschaft hatte sich zeitlich etwas vertan und war entsprechend früh auf den Beinen. Die Erwachsenen gingen mit dieser Situation auf ihre jeweils bewährte Weise um: Christian kümmerte sich irgendwann um die erste Zigarette, während Frank – seit etwa halb acht wach – gefühlt bereits bei seiner 15. Tasse Kaffee angekommen war. Also alles völlig normal.

Nach dem Frühstück wurde es dann offiziell: Kinder und Erwachsene bekamen die neuen Shirts, und spätestens beim gemeinsamen Foto sah das Ganze tatsächlich nach einer richtigen Mannschaft aus.

Bevor es an die Platten ging, musste allerdings erst einmal Betriebstemperatur hergestellt werden. Und zwar mit einer ziemlich gelungenen Mischung aus Staffellauf und Tischtennis: losrennen, zur Platte, Schläger greifen, einen Punkt ausspielen, zurückrennen, den Nächsten abklatschen – und weiter. Ein Warm-up mit einem entscheidenden Vorteil: Niemand hatte Zeit, darüber nachzudenken, ob er eigentlich schon richtig wach war.

Warm-up und Bewegung: Erst Betriebstemperatur, dann Feinarbeit am Tisch.

Dann wurde wirklich trainiert

Mit Toni und Vivien hatten wir zwei Trainer, bei denen ziemlich schnell klar wurde, dass es nicht einfach darum gehen würde, möglichst viele Bälle über das Netz zu schlagen.

Vorhand, Rückhand, Topspin, Bewegungsabläufe, Stellung zum Ball – vieles wurde erklärt, vorgemacht und anschließend ausprobiert. Und das Schöne war: Es blieb nicht beim technischen Erklären. Die beiden schafften es sehr schnell, einen Draht zu den Kindern aufzubauen.

Im Laufe des Wochenendes wurde das Training immer abwechslungsreicher. Besonders schön war eine Einheit mit fünf Stationen, bei denen Aufschlag und Schnitt nicht nur Lennoxretisch erklärt, sondern geradezu experimentell untersucht wurden.

Bei einer Station musste der Aufschlag so flach gespielt werden, dass der Ball durch einen sehr niedrigen vorgegebenen Bereich über dem Netz kam. Bei einer anderen bestand die Aufgabe darin, einen Ball mit derart viel Unterschnitt zu versehen, dass er zwar zunächst über das Netz sprang, anschließend aber wieder zurücklief und möglichst in bereitgestellten Kisten landete.

Dann gab es zwölf Zielfelder auf der gegnerischen Plattenhälfte. Aufgabe: so lange und so präzise aufschlagen, bis irgendwann jedes der zwölf Felder getroffen worden war.

Besonders anschaulich war das senkrecht stehende Schlagbrett. Aufschlag dagegen – und plötzlich konnte man unmittelbar sehen, was Seit-, Über- oder Unterschnitt tatsächlich mit einem Ball macht. Tischtennis wurde an diesem Wochenende gelegentlich zu angewandter Physik.

Präzision statt Zufall: Eine der Stationen rund um Aufschlag, Platzierung und Schnitt.
Toni und die Gruppe bei einer der Trainingseinheiten.

Das Urteil der wichtigsten Jury

Nach einer der Einheiten wurden die Kinder gefragt, wie sie das Training fanden. Die Antworten waren bemerkenswert eindeutig: Es war gut, es hat Spaß gemacht, die Trainer waren cool und nett – und vor allem hatten alle das Gefühl, viel gelernt zu haben.

Eine Stimme merkte allerdings kritisch an, dass sie sich das Ganze etwas anders vorgestellt habe – und insbesondere die Stretching-Übung am Ende „jetzt nicht so cool“ gewesen sei. Auch das gehört zu einer seriösen Evaluation.

Weiterbildung funktionierte übrigens in beide Richtungen

Denn irgendwann stellte sich heraus, dass nicht nur die Kinder etwas von Toni und Vivien lernen konnten. Auch die Erwachsenen bekamen Nachhilfe.

Thema: Squishy Butter Wax. Was genau das ist und warum dabei ein derart faszinierendes Knackgeräusch entstehen kann, wussten die Kinder offensichtlich deutlich besser als die Erwachsenen. Damit waren die Rollen für einen Moment vertauscht: Die Erwachsenen hörten aufmerksam zu und die Kids erklärten die Welt.

Ähnliches galt sprachlich. Zum aktiven Wortschatz des Wochenendes gehörten plötzlich Begriffe wie „Good Käse“ und „Ragebait“. Ob die Erwachsenen sie anschließend tatsächlich immer völlig korrekt verwendet haben, soll an dieser Stelle ausdrücklich nicht untersucht werden. Wahrscheinlich wäre allein diese Frage schon Ragebait. Good Käse war das Wochenende aber auf jeden Fall.

Und dann kam das Essen

Zwischen all den Trainingseinheiten musste selbstverständlich Energie nachgeführt werden. Besonders schön waren die gemeinsamen Mahlzeiten draußen: alle zusammen am langen Tisch, Kinder und Erwachsene durcheinander, erzählen, essen, Karten spielen und einfach ein bisschen Zeit miteinander verbringen.

Dabei ereignete sich allerdings eine bemerkenswerte Serie von Getränkeunfällen. Zunächst gelang es Martin, Florians Limoglas umzuwerfen – mit Charlie als Leidtragendem. Damit hätte man die Sache als statistischen Ausreißer verbuchen können.

Leider folgte Teil zwei. Denn später wurde erneut ein Glas umgeworfen – diesmal von Lars. Und wen traf die Limo? Charlie. Wieder.

Man muss an dieser Stelle ausdrücklich festhalten: Charlie hatte mit dem Umfallen beider Gläser nichts zu tun. Er befand sich lediglich zweimal in einem offenbar hydrodynamisch ausgesprochen ungünstigen Bereich.

Gemeinsame Pause draußen – Essen, Erzählen und die eine oder andere Nebengeschichte
Stärkung zwischen den Einheiten – glücklicherweise in diesem Moment noch ohne Limo-Zwischenfall.

Das Geräusch des Wochenendes

Kulinarisch verdient noch ein anderes Ereignis eine besondere Würdigung. Die Pommes waren knusprig. Nicht einfach nur knusprig.

KNACK. KRCH. CRUNCH.

So knusprig, dass beim Essen ein bemerkenswert deutliches Ess-Geräusch entstand. Und ausdrücklich: ESS wie Essen. Dieses Geräusch bekam im Laufe des Essens eine Bedeutung, die in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zur Größe einer Pommes stand.

Vielleicht war genau deshalb die Begegnung mit Squishy Butter Wax kurz darauf so faszinierend: Wieder dieses Knacken. Wieder dieses merkwürdig befriedigende Geräusch. Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die von einem Wochenende hängenbleiben.

Während die Nachwuchsabteilung ihren eigenen Beschäftigungen nachging, stand für die Erwachsenen irgendwann noch eine kleine lokale Kulturstudie auf dem Programm.

Sonntag: Noch einmal volle Konzentration

Am Sonntagmorgen ging es wieder in die Halle. Nach dem gemeinsamen Aufwärmen wurde konzentriert trainiert – und inzwischen war deutlich zu sehen, wie selbstverständlich die Gruppe miteinander arbeitete.

Zwischendurch wurde immer wieder erklärt, korrigiert und demonstriert. Und nach den praktischen Einheiten war noch nicht Schluss. Es gab regelmäßig kleine Einheiten zu Regelkunde, ungewöhnlichen Spielsituationen und Strategie. Also nicht nur: Wie spiele ich einen Ball? Sondern auch: Was mache ich eigentlich in bestimmten Situationen? Was ist erlaubt? Wie verhalte ich mich taktisch?

Vivien erklärte schließlich sogar noch das Belohnungssystem für diejenigen, die häufiger Trainingskurse besuchen. Man könnte sagen: Kundenbindung wurde ebenfalls professionell vermittelt.

Vivien erklärt – neben Technik und Taktik schließlich auch das Belohnungssystem für fleißige Kursteilnehmer.
Zuhören, zuschauen, ausprobieren: Lernen fand nicht nur während der Ballwechsel statt.

Kopf spielt mit

Ein wichtiger Punkt der Abschlussrunde ging über Technik hinaus. Toni und Vivien machten noch einmal deutlich, wie entscheidend die mentale Einstellung beim Tischtennis ist: Körperspannung zeigen, positiv bleiben, sich über gute Aktionen auch wirklich freuen – und die eigene Leistung nicht ständig kleiner machen, als sie ist.

Oder etwas einfacher gesagt: Einen guten Ball darf man auch mal gut finden. Vielleicht war das sogar eine der wichtigsten Botschaften des Wochenendes.

Die große Abschlussbilanz

Am Ende gab es eine gemeinsame Feedbackrunde. Und die fiel ausgesprochen positiv aus.

Die Kinder fanden Toni und Vivien sympathisch, hatten nach eigener Aussage viel gelernt, fanden das Training durchaus anstrengend – und würden gerne wiederkommen.

Auch Christian, Frank und Lars waren sich einig, dass die beiden nicht nur fachlich ein sehr gutes Training angeboten haben. Entscheidend war vor allem, dass es ihnen gelungen ist, zu der ganzen Gruppe und insbesondere zu den Kindern eine echte Beziehung aufzubauen.

Genau dadurch funktionierte das Wochenende. Deshalb war auch das Fazit aus Vereinssicht ziemlich eindeutig: Das war sicher nicht das letzte Mal.

Architektur zum Abschluss

Beim letzten gemeinsamen Mittagessen draußen zeigte sich schließlich, dass Tischtennis offenbar nur eine von Charlies Begabungen ist.

Aus Getränkeuntersetzern entstand zunächst Charlies kleines Kartenhaus. Dann eine weitere Etage. Und noch eine. Mit zunehmender Bauhöhe nahm auch die Konzentration zu. Am Ende stand dort ein erstaunlich stattliches mehrgeschossiges Bauwerk – eine Mischung aus Kartenhaus, statischem Experiment und kleinem Architekturprojekt. Und Charlie war nicht der Einzige: Auch Lennox entdeckte beim letzten Mittagessen die Getränkeuntersetzer-Statik für sich.

Charlie bei der Tragwerksplanung: Hier wird nicht gestapelt, hier wird konstruiert.
Auch Lennox war im Getränkeuntersetzer-Baufieber: sein eigenes Kartenhaus blieb natürlich ebenfalls Teil der Sonntags-Architektur.

Und dann kam Christian.

Christian betrachtete offenbar Charlies architektonischen Aufwand und entschied sich für einen völlig anderen Ansatz.

Sein Kartenhaus bestand aus: einem Getränkeuntersetzer.

Diesen hielt er vor sein Gesicht. Das war’s.

In Verbindung mit der Sonnenbrille entstand allerdings der Eindruck eines Mannes, der nicht etwa zu wenig gebaut hatte, sondern den Minimalismus in der Getränkeuntersetzerarchitektur konsequent zu Ende gedacht hatte.

Charlie: Tragwerksplanung, mehrere Geschosse, Präzisionsarbeit. Christian: ein Getränkeuntersetzer.

Beides Kunst. Nur verschiedene Schulen.

Christian und sein extrem komplexes Kartenhaus: radikaler Minimalismus, stilsicher kombiniert mit Sonnenbrille.

Was bleibt?

Am Ende bleiben natürlich viele geschlagene Bälle, neue Techniken, Aufschläge mit deutlich mehr Schnitt und hoffentlich ein paar Dinge, die beim nächsten Punktspiel wieder auftauchen.

Aber wahrscheinlich bleibt noch etwas anderes.

Ein Wochenende, an dem Kinder und Erwachsene zusammen unterwegs waren. An dem ernsthaft trainiert wurde, ohne dass der Spaß verloren ging. An dem die Kinder von Toni und Vivien gelernt haben – und die Erwachsenen von den Kindern erfuhren, was Squishy Butter Wax und Ragebait sind.

Ein Wochenende mit Staffelläufen, Topspin und Unterschnitt, Regelkunde und Körperspannung, Kaffee, knusprigen Pommes, zwei erstaunlich treffsicheren Limo-Unfällen, zwei völlig unterschiedlichen Schulen des Kartenhausbaus.

Und vor allem mit einer Gruppe, bei der man am Ende das Gefühl hatte:

Das hat funktioniert. Das hat Spaß gemacht. Und das machen wir wieder.

In diesem Sinne: Good Käse.

Das letzte gemeinsame Mittagessen nach der Sonntagseinheit – ein ziemlich passender Abschluss für ein gelungenes Wochenende.

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